175 Jahre Fritze Bollmann

Brandenburg feiert sein berühmtestes Original

„Fritze Bollmann wollte angeln, dabei fiel die Angel rin …“ – kaum ein anderes Volkslied ist so eng mit einer Stadt verbunden wie das berühmte Bollmann-Lied mit Brandenburg an der Havel. Im Jahr 2027 gibt es einen besonderen Grund, sich an den wohl bekanntesten Brandenburger zu erinnern: Fritze Bollmann wäre 175 Jahre alt geworden.

Geboren wurde Johann Friedrich Andreas Bollmann am 5. Januar 1852 in Salbke bei Magdeburg. Später verschlug es ihn nach Brandenburg an der Havel, wo er als Barbier arbeitete und von 1882 bis 1896 ein eigenes Geschäft in der Altstadt führte. Sein Leben war allerdings weit weniger lustig, als es die später entstandenen Geschichten vermuten lassen. Bollmann geriet in wirtschaftliche Schwierigkeiten und wurde von Kindern und Jugendlichen seiner Umgebung immer wieder verspottet. So wurde aus einem einfachen Barbier nach und nach eine Figur, über die sich die ganze Stadt ihre Geschichten erzählte.

Besonders bekannt wurde Bollmann durch das Lied „Fritze Bollmann“, das sich Anfang des 20. Jahrhunderts verbreitete. Die Geschichte vom Angler, der beim Versuch, seine Angel aus dem Wasser zu retten, selbst ins Wasser fällt, machte ihn weit über Brandenburg hinaus bekannt. Im Laufe der Jahrzehnte entstanden zahlreiche weitere Strophen und Varianten. Das Lied wurde unter anderem von bekannten Künstlern wie Claire Waldoff, Harald Juhnke und Frank Zander interpretiert.

Heute gehört Fritze Bollmann fest zum Stadtbild und zur Identität Brandenburgs an der Havel. Der berühmte Bollmann-Brunnen in der Hauptstraße erinnert ebenso an ihn wie der Fritze-Bollmann-Weg und verschiedene Veranstaltungen. Auch unter Anglern genießt sein Name bis heute einen besonderen Stellenwert. Der Städteanglerverband Brandenburg/Potsdam pflegt regelmäßig sein Grab und hält damit die Erinnerung an das Brandenburger Original lebendig.

2027 soll nun ganz im Zeichen des 175. Geburtstages stehen. Unter dem Motto „175 Jahre Fritze Bollmann – eine Stadt entschuldigt sich bei ihrem Original“ sind zahlreiche Veranstaltungen, Ausstellungen, Stadtführungen und kulturelle Angebote geplant. Besucher können sich auf die Spuren des berühmten Barbiers begeben – zu Fuß durch die historische Innenstadt oder beispielsweise bei einer Radtour rund um den Beetzsee.

Dabei geht es längst nicht mehr nur um einen lustigen Angler aus einem alten Volkslied. Das Jubiläum bietet auch die Gelegenheit, die Geschichte hinter der Legende neu zu betrachten. Denn der echte Fritze Bollmann war kein erfundener Spaßvogel, sondern ein Mensch mit einem bewegten und teilweise schwierigen Leben. Gerade dieser Blick hinter die bekannte Fassade macht seine Geschichte bis heute interessant.

175 Jahre Fritze Bollmann – das ist deshalb nicht nur ein Jubiläum für einen einzelnen Menschen. Es ist ein Stück Brandenburger Stadtgeschichte, das Musik, Humor, Erinnerung und Heimat miteinander verbindet. Und vielleicht darf man anlässlich des Jubiläums auch mit einem Augenzwinkern sagen: Fritze Bollmann ist zwar schon lange tot – aber aus Brandenburg ist er bis heute nicht verschwunden

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